Pisa–Marseille: 671 km Meer, Berge und meine erste Solo-Tour

Kurzüberblick

Distanz671 km tatsächlich (geplant waren 629 km — es wurden mehr)
Dauer7 Tage im Sattel, 4–7 Std./Tag, + je 1 Tag An- und Abreise (Flixbus, Hannover–Pisa)
Höhenmeter8.130 m Aufstieg / 8.010 m Abfahrt
RouteItalien → Frankreich → Monaco
Kompletter Trackkompletter Track auf Komoot
WannAnfang Oktober 2023
Schwierigkeit nach der Kompass-SkalaStufe 6 — Knapp überlebt (heute, trainiert, wäre es Stufe 5 — Training nötig)
FahrradTourenrad Gudereit x10 (das heutige Bergamont Grandurence RD10 kam später)
Mit wemallein. Mein Sohn war damals 9 — er hat schon einiges mit mir zurückgelegt, aber diese Route wäre mit ihren Anstiegen zu hart für ihn gewesen

Die Route im Detail

Pisa, Genua, Savona, Nizza, Cannes (ja, genau die Cannes — und sofort hat man „Taxi“ im Kopf), Monaco und das Finale in Marseille. Ich liebe Städte genau dafür — Architektur, Geschichte, das Gefühl, dass jede folgende ihren eigenen Charakter hat. Und dazwischen die Küste: Felsen, Meer, Ausblicke, für die es sich lohnt, aufs Rad zu steigen statt ins Auto.

Ich bin im Oktober gefahren — und das ist wahrscheinlich der beste Rat, den ich gleich zu Beginn geben kann: Das ist die goldene Saison. Weniger Touristen, niedrigere Preise, und Wasser wie Wetter sind noch angenehm.

Schwierigkeiten unterwegs

Ohne Beschönigung.

Erstens: Der Flixbus nach Pisa kam ohne Fahrradhalterung. Ich musste die ganze Logistik spontan umplanen. Flixbus hat mir am Ende eine zusätzliche Nacht in Prag erstattet — dort gab es eine Anschlusspanne.

Zweitens: In Bologna fuhr der Bus ohne mich los. Mit meinem Fahrrad und dem gesamten Gepäck. Ich musste ihm hinterherjagen und ihn suchen — ein Adrenalinschub, der im Reiseplan definitiv nicht vorgesehen war.

Drittens, und das war schon auf der Strecke selbst: ein harter Tag mit rund 1.600 Höhenmetern, ich aufgewärmt, danach die Abfahrt in eine kalte Schlucht — kalte Luft, geschluckt mit überhitztem und müdem Körper. Abends auf dem Campingplatz dann noch ein kaltes Bier, und damit war meine Widerstandsfähigkeit am Ende: Ich wurde krank.

Und generell: große Anstiege mit schwerem Gepäck, allein und untrainiert. Das war körperlich hart.

Meine Empfehlungen

  1. Planen Sie den Oktober ein, wenn möglich — goldene Saison ohne Schlangen und ohne Hitze.
  2. Prüfen Sie die Fahrradhalterung vorab, wenn Sie mit Flixbus fahren — und planen Sie einen Puffertag für Anschlusspannen ein.
  3. Behalten Sie Rad und Gepäck bei Umstiegen im Blick, soweit möglich — verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Bus wartet.
  4. Ziehen Sie sich nach einem harten Anstieg vor der Abfahrt wärmer an — auch wenn Sie aufgewärmt sind. Kalte Luft bei der Abfahrt nach Belastung ist der direkte Weg zur Erkältung.
  5. Trainieren Sie vorher, wenn möglich — mit schwerem Gepäck ist der Unterschied zwischen „Training nötig“ und „knapp überlebt“ an jedem Anstieg spürbar.

Ausrüstung

Die vollständige Liste dessen, was auf dieser Tour dabei war — warme Kleidung, Radbekleidung, Küche, Apotheke, Reparaturset — das war mein damaliges Basis-Setup. Seitdem hat sich einiges geändert (unter anderem das Fahrrad selbst), die Grundlage bleibt aber ähnlich: Basis-Packliste.

Fazit

Das war meine erste Solo-Tour dieser Größenordnung — und ehrlich gesagt unvergesslich. Nicht, weil alles glattlief (tat es nicht), sondern wegen der Städte, des Meeres und dieses Gefühls, wenn man es allein schafft. Nach dieser Tour habe ich eines verstanden: Solche Reisen muss man öfter machen.

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