Zur Ostsee: die erste große Tour mit meinem Sohn

Kurzüberblick

Distanz380 km
Höhenmeter1.350 m
Dauer4 volle Tage im Sattel + ein halber fünfter Tag, dann mit dem Zug zurück
RouteMinden → Insel Fehmarn, bis zum äußersten Punkt, von dem die Fähre nach Schweden ablegt
WannStart am 15. April 2023
Schwierigkeit nach der Kompass-SkalaStufe 2 — Schafft mein Sohn (auch ein Kind schafft es, bei vernünftigem Tempo)
Kompletter TrackSammlung auf Komoot
Fahrräderich — ein altes Kettler Alurad mit 7-Gang-Shimano-Nabenschaltung; Dmytro — ein kleines Stahl-MTB
Mit wemmit meinem Sohn Dmytro. Er war 8 Jahre alt — das war unsere erste große gemeinsame Tour

Die Route im Detail

Wir sind in Minden losgefahren und Richtung Norden zur Ostsee. Das Ziel war konkret: die Insel Fehmarn, genau der Punkt, von dem die Fähre nach Schweden ablegt. Danach kommt nur noch Wasser.

Unterwegs lagen Hamburg und Lübeck — beide Städte sind mir im Gedächtnis geblieben. Interessant ist aber etwas anderes: Am stärksten erinnere ich mich nicht an die Aussichten, sondern an die schwierigen Momente. Regen, Kälte, aufgeweichte Wege, eine fremde ältere Dame, die uns mit Geld ausgeholfen hat. Und natürlich die Insel selbst.

Das Wichtigste aber war die Zeit und die Erfahrung gemeinsam mit Dmytro.

Zurück ging es mit dem Zug — nach viereinhalb Tagen im Sattel war das die richtige Entscheidung.

Wie wir uns vorbereitet haben

Speziell für diese Tour haben wir nicht trainiert. Aber ich bin damals jedes Wochenende rund 100 km mit meiner Schwiegermutter gefahren — und Dmytro kam ab und zu mit. Eine Grundlage war also da, wenn auch keine, mit der man vier Tage lang volle Taschen schleppt.

Wir haben im Zelt übernachtet. Die Schlafsäcke waren leicht, Dmytro hatte sein eigenes Gepäck und trug seine Sachen selbst. Nur die letzte Nacht verbrachten wir in einer Herberge — dazu weiter unten eine eigene Geschichte.

Schwierigkeiten unterwegs

Der erste Tag war der härteste. Wir sind rund 111 km gefahren — viel für den Auftakt, besonders für einen Achtjährigen. Die übrigen Tage lagen bei 70–80 km, das war ein normales Tempo. Aber am ersten Tag kam alles zusammen: zum ersten Mal mit Gepäck, Anstiege und Gegenwind. Für Dmytro war das wirklich hart.

Das Wetter hat nicht mitgespielt. Angekündigt waren Sonne und Wärme — es wurde kühl, windig und am Ende regnerisch. Am vierten Tag fing es richtig an zu regnen, es wurde kalt, und Dmytro verlor jede Lust weiterzufahren. Das war der mental schwerste Moment der Tour.

Aufgeweichte Wege. Ein Teil der Strecke führte über Sommer-Feldwege, die Mitte April vom Regen aufgeweicht waren. Streckenweise war das ein echtes Problem.

Die Geschichte mit der älteren Dame. Wegen Regen und Kälte entschieden wir, die letzte Nacht nicht im Zelt, sondern in einer Herberge zu verbringen — um warm zu schlafen. Aber wir hatten wenig Geld dabei. Da half uns eine fremde ältere Dame und gab uns 20 Euro — genau die Summe, die uns für die Herberge fehlte. Das ist einer der Momente, die stärker im Gedächtnis bleiben als jede Aussicht.

Die vergessenen Helme. Ganz am Ende, kurz vor dem Einsteigen in den Zug: Dmytro hatte unsere Helme im Bus vergessen. Ich schleppte in dem Moment zwei Fahrräder zum Bahnsteig, der Zug sollte gleich abfahren — und er rannte zurück zum Bus, holte die Helme und rannte zurück zum Zug. Stress für alle Beteiligten.

Wie es für Dmytro war

Anfangs fand er es spannend — hatte aber gleichzeitig Angst, es nicht zu schaffen. Dann wurde es leichter. Am vierten Tag, als Regen und Kälte dazukamen, war es mental schwer. Und danach lief wieder alles gut.

Das ist eine normale Kurve für die erste große Tour — und man sollte sie vorher kennen, damit man in der Mitte nicht erschrickt.

Meine Empfehlungen

  1. Wählen Sie eine andere Jahreszeit. Würden wir noch einmal fahren, würde ich mindestens den Mai nehmen. Mitte April im Norden Deutschlands bedeutet Kälte, Wind und aufgeweichte Feldwege.
  2. Nehmen Sie mehr Geld mit, als nötig erscheint. In teuren Ländern rettet eine Reserve für eine spontane Herberge oder ein warmes Abendessen die ganze Tour.
  3. Ab welchem Alter? Meine Meinung: ab 8 Jahren ist es realistisch. Aber es hängt von der Konstitution des Kindes ab — und wahrscheinlich ist es besser, die Strecke in kleinere Abschnitte zu teilen, als am ersten Tag über 100 km zu fahren.
  4. Machen Sie den ersten Tag nicht zum längsten. Unsere 111 km zum Auftakt waren ein Fehler — besser ruhiger anfangen und später Tempo aufnehmen.

Ausrüstung

Das Basis-Set, das immer mitfährt, steht in der Packliste. Für diese Tour gab es eine Besonderheit: Dmytro hatte sein eigenes, leichteres Set, und die Schlafsäcke waren leicht.

Fazit

Diese Tour hat mir einen einfachen Gedanken gegeben, den ich seitdem immer wieder bestätigt finde: Reisen ist großartig. Es sind immer unvergessliche Eindrücke, Emotionen, Begegnungen und Erfahrungen.

Und außerdem ist es Zeit mit Dmytro, die man später nicht zurückbekommt.

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